UNSICHERE ZEITEN

Wir leben in unsicheren Zeiten, sagen viele Menschen. Es ist das Thema dieser Tage. Kaum ein Gespräch, in dem nicht Ängste vor der Zukunft geäußert werden; kein Bildschirm, der nicht Horrorszenarien im Minutentakt ausspuckt.

Wir leben in unsicheren Zeiten. Wirklich?
Waren die Zeiten sicher? Wann genau war das?
Sind wir uns da ganz sicher, oder schaffen wir nur Erinnerungen, die das suggerieren?

So oder so: Dieser Augenblick ist eigentlich alles, was wir an Zeit wirklich zur Verfügung haben. Mehr war nie und mehr wird nie sein. Erinnerungen an die Vergangenheit oder Hoffnungen und Befürchtungen für die Zukunft sind Gedanken, nicht die Wirklichkeit. Wenn es so etwas wie Sicherheit gibt, dann existiert sie jetzt, nicht morgen und nicht gestern. Du kannst ihr nicht außerhalb der Gegenwart begegnen.

Vermeiden wir diese simple Wahrheit und verpassen das Leben zugunsten der Illusion einer sicheren und kontrollierbaren Zukunft? Verlieren wir uns in den Horror- oder Kitschfilmen, die unser Denken aus Angst und Lügen für uns fabriziert?
Oder vertrauen wir in das unglaubliche Geschenk einfacher Gegenwart und öffnen uns der Weite, Vollkommenheit und Liebe, die zu erfahren nur jetzt möglich sind?

Dieser Augenblick ist offen, unvorhersehbar, lebendig und dynamisch, ein atemberaubendes Mysterium, wenn wir uns wirklich auf ihn einlassen.
Woher kommen diese Worte und Gedanken?
Was ist sich ihrer bewusst?
Das Feld aus Empfindungen, Wahrnehmungen, Gefühlen und Milliarden von chemischen und sonstigen Prozessen, das sich Körper nennt – ein Wunder!
Wie erstaunlich, am Leben zu sein, zu denken, spüren, fühlen und handeln. Es scheint so selbstverständlich, aber jenseits der Routine unserer konditionierten Denkmuster und Glaubenssätze liegt Unermesslichkeit.
Die brennende Kerze, der Baum vor dem Fenster, der Mensch mir gegenüber, tiefe Gefühle von Scham, Verzweiflung, Einsamkeit und Angst, die wir teilen, die Vibration der Freude, die unter allem liegt, der Duft des Jasmintees, der leichte Druck mit dem meine Füße den Boden berühren,
Atem, der kommt und geht . . .

Dieser Augenblick ist ohne Mangel, aber auch ohne Garantien, ohne Versprechen. Nichts fehlt, nichts ist zuviel – Vollkommenheit in Aktion.

Können wir alles, was wir denken, wollen und erwarten für einen Atemzug beiseite lassen, und einfach nur schauen, präsent sein? Gegenwart, die sich selbst wahrnimmt?
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In der Offenheit reiner Gegenwart fährt das im Gehirn programmierte Flucht- oder Kampfsystem allmählich herunter, Muskeln entspannen, Atmung vertieft sich. Wir sind nicht länger ständig auf dem Sprung, nicht mehr so getrieben von den 10.000 Wichtigkeiten, die scheinbar unser Leben ausmachen. Wir erinnern uns daran, wer wir eigentlich sind und was unsere einzige Aufgabe und Freude ist.

Wir kommen heim zu uns selbst. Hier liegt Sicherheit nicht im Fehlen von Bedrohung, sondern in der Erkenntnis, dass das, was wir sind, nie wirklich bedroht werden kann.

Der Verstand sagt, dass all das nichts nützt und versucht weiter Lösungen für Probleme zu finden, die er alleine schafft Es sind seine aus Verwirrung geborenen Ideen, die behaupten, dass Freiheit durch Unterdrückung, Friede durch Krieg und Gleicheit durch Ausbeutung möglich sind.
Das Herz verweilt in der Gegenwart, in deren reinem Licht kein Problem überleben kann und Unsicherheit nur ein Wort ist.

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